Biber

Ausgangslage

Mitte des 18. Jahrhunderts kam es durch übermäßigen Jagddruck zur Ausrottung des Bibers in Österreich. Er wurde sowohl als Speise in der Fastenzeit, zur Herstellung von Hüten aus Biberfell und als Aphrodisiakum genutzt. Der Rückkehr des Bibers nach Österreich wurde durch ein Artenschutzprogramm der Biologischen Station Wilhelminenberg von 1976 – 1982 erreicht. Die Zuwanderung von Tieren aus angrenzenden Nachbarländern, vor allem aus Bayern, Tschechien und der Slowakei unterstützt das österreichische Vorkommen zusätzlich.

Lebensraum

Strukturreiche Auwälder, wo das Wasser nur langsam fließt oder überhaupt steht, bilden den Kernlebensraum des Bibers. Voraussetzung, dass er schwimmend bzw. tauchend in seinen Bau gerät und auch die Nahrung schwimmend erreichen kann. Sollte das nicht der Fall sein, kann er Gewässer auch aufstauen. Mit seinen charakteristischen Nagezähnen kann ein Biber Bäume mit einem Durchmesser bis zu 10 cm innerhalb einer Nacht fällen.

Internationales Recht & Nationales Recht zum Schutz der Biber

Im internationalen Recht ist der Biber als „geschützte Tierart“ in der Berner Konvention und in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH – Richtlinie, RL 92/43 EWG; Anhang II und Anhang IV) verankert. Seine Nennung regelt, dass für den Erhalt dieser Art Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Im Anhang IV befinden sich all jene Tier- und Pflanzenarten zu deren Schutz entsprechende Artenschutzbestimmungen einzuhalten sind.

Kontroversen

Die fortschreitende Landnutzung durch den Menschen (Landwirtschaftliche Nutzungen bis zum Gewässerrand, Trockenlegung von Feuchtflächen, Regulierung von Flüssen…) führte zu Nutzungskonflikten in den Bereichen

  • Infrastruktureinrichtungen (Siedlungsgebiet, Wegeanlagen)
  • Wasserbautechnische Strukturen (Hochwasserschutz, Beeinträchtigung von Kleinkraftwerken) 
  • Teichanlagen und Fischzuchten
  • Land- und Forstwirtschaft (durch Vernässung oder Nutzung von Feldfrüchten) kommen kann.

NÖ Bibermanagement

Der derzeitige Bestand in Niederösterreich wird auf knapp 4000 Biber geschätzt (2012).

Das Management für Biber orientiert sich an folgenden Lösungsansätzen und Maßnahmenvorschlägen:

  • Präventionsmaßnahmen wie: Baumschutz durch Gitterung oder Anstrich, Zäunung einzelner Gehölzgruppen, Entfernung von Ufergehölzen, Einbau von Gittern oder anderen geeigneten technischen Sicherungen
  • ggf. Eingriffe in den Lebensraum der Biber wie z.B. das Entfernen von Biberdämmen und die Verfüllung von Biberröhren (in Abstimmung mit den NÖ Bibermanagement bzw. auf Basis eines Bescheides).
  • ggf. direkte Eingriffe in die Population (Fang & Tötung): Für Eingriffe in die Biberpopulation ist jedenfalls eine Ausnahmegenehmigung durch die Naturschutzbehörde (Bescheid) erforderlich. Diese setzt voraus, dass andere gelindere Maßnahmen (Prävention oder Eingriffe in den Lebensraum) nicht (ausreichend) erfolgreich waren bzw. sein können.

Gründe, bei denen ein Eingriff in die Population erforderlich sein könnte, wären z.B. folgende:

  • Unterminierung von Dämmen und Deichen, bei hochgedämmten Gewässern und Fischteichen
  • Einbruchsgefahr an Verkehrswegen in Gewässernähe
  • Verletzungsgefahr von Personen und Beschädigung von Objekten durch Fällung von Bäumen (Siedlungsgebiet)
  • Beeinträchtigungen im bebauten Ortsgebiet oder bei technischen Anlagen (Wasserbau, Kläranlagen, Mühlgräben, Triebwerkskanäle, Badeteiche)
  • Gravierende Fischbestandseinbußen in Winterungsteichen
  • Großflächige Vernässungen, dauerhafte Wertminderung von Produktionsflächen

Die Behörde kann in diesen Fällen gemäß § 20 Abs. 4 NÖ NSchG 2000 Ausnahmenregelungen von den Vorschriften nach § 18 über Antrag durch Bescheid gestatten,

Eine NÖ Biber-Verordnung trat mit 31. Mai 2016 in Kraft. In dieser sind die konkreten Anlassfälle, die Eingriffshierarchie, Eingriffsbereiche, Berechtigten, und die für jeden Eingriff im Vorfeld erforderliche Beurteilung durch ein sachkundiges Organ sowie Melde- und Dokumentationspflichten geregelt.

Durch die wissenschaftliche Projektbegleitung in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien sollen die Auswirkungen von Habitatmaßnahmen und ev. notwendige Eingriffe in die Population kontrolliert und dokumentiert werden und somit einen weiterhin günstigen Erhaltungszustand der in NÖ lebenden Biberpopulation gewährleisten. Um Managementmaßnahmen auf regionaler Ebene schnell und effektiv umsetzen zu können, unterstützen auch ehrenamtliche Biberberater seit 2012 das NÖ Bibermanagement. 

Kontakt & Anlaufstellen Bibermanagement NÖ

Quelle: www.noe.gv.at/Umwelt/Naturschutz/Schutz-der-Artenvielfalt/Schutz_der_Artenvielfalt_Artenschutz_6.html