Ich bin in Kärnten aufgewachsen und habe, seit ich denken kann, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter mit meinem Vater vor allem an der Drau gefischt und war bis zur Matura fast täglich am Wasser unterwegs. Als ich mit dem Fischen begonnen habe, waren die Fischbestände an Drau und Möll noch dermaßen hoch, dass man kein schlechtes Gewissen haben musste, wenn man ein paar Äschen mit nach Hause genommen hat. Dass dieser Fischreichtum fast vollkommen erlöschen könnte, war für mich als Jugendlicher in den 1980er Jahren überhaupt nicht vorstellbar. Aber seitdem musste ich quasi als Zeitzeuge miterleben, wie die Fische immer weniger wurden und die Belastungen an unseren Gewässern immer mehr.
Und weil ich wissen wollte, wie es dazu kommen konnte und wie man dieser Entwicklungen entgegenwirken kann, begann ich mein Studium an der Universität für Bodenkultur und setze mich seitdem für intakte Gewässerlandschaften und gesunde Fischbestände ein. Zum Fischen komme ich leider nur noch eingeschränkt, aber ich darf mich dafür beruflich mit Gewässern, Fischen und auch mit der Fischerei beschäftigen. Das ist zum einen sehr erfüllend, zum anderen muss man auch eine dicke Haut haben, weil die Arbeit mit diversen Gewässernutzern – dazu zählen auch die Fischer – oftmals auch frustrierende Erlebnisse und Rückschläge mit sich bringt.
Für mich ist völlig klar, dass die Angelfischerei mittel- und langfristig nur dann einen akzeptierten Platz in der Gesellschaft finden kann, wenn naturschutzfachliche Ansprüche respektiert werden und die Fischerei ethisch akzeptabel ausgeübt wird. Wenn es nicht gelingt, der Allgemeinheit glaubhafte Gründe zu präsentieren, warum Fischen eine vernünftige Freizeitbeschäftigung ist, dann werden die Rufe nach Verboten und Einschränkungen immer lauter werden. Wir müssen glaubhaft vermitteln können, dass Fischer den Fischen respektvoll begegnen, in der Entnahme von Fischen maßvoll sind, nachhaltige fischereiliche Bewirtschaftung betreiben und einen aktiven Beitrag zum Natur- und Biodiversitätsschutz leisten! Dies kann aber nicht argumentiert werden, solange fangfähige Zuchtfische in natürliche Gewässer besetzt werden, nur um sie wieder rauszufangen und die Ausbildung und damit das Wissen der Fischer zu Gewässern und Fischen mangelhaft ist.
Die Entwicklung einer zukunftsfähigen Fischerei, die unsere heimischen Fischarten und deren natürliche Lebensräume bestmöglich unterstützt und einen sorgsamen und respektvollen Umgang mit gefangenen Fischen als selbstverständlich ansieht, ist Motiv und Anlass meines Engagements im Rahmen des ÖKF-Fachbeirats. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass Angelfischerei zukünftig nur dort möglich bleiben wird, wo versucht wird, fischereiliche und ökologische Interessen zu harmonisieren, wo das Naturerlebnis im Vordergrund steht und sorgsam mit Fischen umgegangen wird.