Aliens: gebietsfremde invasive Arten

Aliens (Neobionten) nennt man Arten die nach der Entdeckung Amerikas 1492 wissentlich oder unwissentlich zwischen Kontinenten, bzw. unterschiedlichen geografischen Regionen, wo sie niemals heimisch waren, angesiedelt, eingeschleppt oder irgendwie sonst verbreitet wurden. Man unterscheidet hier Neomyceten (neue Pilze), Neophyten (neue Pflanzen) und Neozoen (neue Tiere).

Durch globale Transportwege (Schifffahrt, Straße, Flugverkehr) überwinden Pflanzen, Tiere und Pilze ihre natürlichen Ausbreitungsgrenzen. So kommen in Österreich Waschbären und Signalkrebse aus Amerika sowie Schwarzmeergrundeln aus dem Schwarzen Meer vor, die durch Konkurrenz oder eingeschleppte Krankheiten unsere heimischen Arten gefährden.

Zunehmend wird die Ausbreitung neuer Arten durch den Klimawandel begünstigt. In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union kommen nach wissenschaftlichen Schätzungen derzeit etwa 12.000 gebietsfremde Arten vor. Von diesen werden rund 15 Prozent als invasiv angesehen – das heißt, sie besitzen das Potenzial, etablierte Ökosysteme, Lebensräume und Arten stark zu beeinträchtigen und so der biologischen Vielfalt zu schaden. Von diesen invasiven Arten geht in Österreich und der ganzen EU eine wachsende ökologische, wirtschaftliche und auch gesundheitliche Bedrohung aus. Die Europäische Kommission schätzt allein den ökonomischen Schaden durch invasive Arten auf etwa zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Viele Experten schätzen die Schäden inzwischen sogar als noch höher ein.

Aliens – Problemarten im und am Wasser

Einige Dutzend Arten jedoch entwickelten sich zu invasiven Eroberern, die ganze Lebensräume inkusive deren heimischen Lebensgemeinschaften massiv gefährden und große ökologische Probleme schaffen. Diese Arten gilt es wieder zurückzudrängen und die Lebensräume heimischer Arten zu schützen, bzw. die fremden Arten nicht durch Unachtsamkeit bzw. Unwissenheit weiter zu verbreiten. Ein Neobiontenmanagement soll die unkontrollierte Ausbreitung von Problemarten zu verhindern oder zumindest einzubremsen. Deshalb ist es unerlässlich, das Problembewußtsein zu fördern und Wege zur Bekämpfung und zur prophylaktischen Vorsorge aufzuzeigen.

Tierische Problemarten im und am Wasser“

Bei den Fischen sind in Freigewässern vor allem die asiatischen Graskarpfen, Weißer Amur und Schwarzer Amur, Tolstolob und Marmorkarpfen ein Riesenproblem für das ökologische Gleichgewicht. Sie vernichten die wichtigen höheren Wasserpflanzen (Makrophyten) und produzieren dadurch einen Überschuss an düngeaktiven Substanzen (Nährstoffe), die dann nicht mehr von den Wasserpflanzen verwertet werden können, sondern für ein ungebremstes Algenwachstum zur Verfügung stehen. Außerdem finden heimische krautlaichende Fischarten keine Laichbetten mehr und die Jungfische keine geschützten Aufwuchshabitate. Wir wundern uns dann warum es kaum mehr ein nennenswertes Naturaufkommen vieler Arten gibt. Hier gilt: „Diese Fische sollten bevorzugt den Gewässern entnommen und nicht!!! mehr nachbesetzt werden. Sie sind nebenbei hervorragende Speisefische.“ Gleiches gilt z.B. für den vielerorts bereits zahlreich vorkommenden amerikanischen Sonnenbarsch sowie die vielen zur Plage gewordenen, ebenfalls aus Amerika stammenden Zwergwelse sowie beispielsweise für den Giebel. Auch hier bitte den Gewässern entnehmen und als Gaumenfreude kulinarisch verwerten. Diese Liste könnte natürlich noch wesentlich erweitert werden, das würde jedoch diesen Rahmen sprengen.

Schwarzmeergrundeln: Die Schifffahrt verschleppte diese kleinen Räuber vom Schwarzmeergebiet die Donau stromaufwärts, nun überschwemmen sie bereits Westeuropa. In den Bereichen der Blocksteinufer treten unwahrscheinlich hohe Dichten auf, bis zu 80 dieser Fische pro Quadratmeter. Dabei richten die Schwarzmeergrundeln große Schäden an Laich und Fischbrut an. Aber man kann sie dezimieren und SOLL sie dezimieren. Das sind nämlich ausgezeichnete Speisefische, bei denen sich durch die große Menge sich auch der Fang lohnt. Im Schwarzmeergebiet und am Kaspischen Meer werden jährlich zig Tonnen angelandet und sogar zu geschätzten Fischkonserven verarbeitet. Die einfachste Zubereitungsart ist ausweiden (geht blitzschnell, aufschlitzen und mit dem Daumen Bauchinhalt ausstreifen), waschen, salzen und pfeffern, in Mehl wenden und in der Pfanne braten. Im Mittelalter wurde der Pachtzins für Gewässer in Eimern Koppen (!) beglichen! Die Koppe ist ein auch ausgezeichneter Speisefisch und war dem Adel vorbehalten. Und die Schwarzmeergrundeln sehen Koppen nicht nur ähnlich, sie schmecken auch genauso gut.

Amerikanischer Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), Roter amerikanischer Sumpfkrebs, (Procambarus clarkii), Kamberkrebs (Orconectes limosus) Zumindest diese drei, allesamt aus Amerika eingeschleppten Krebsarten, bilden in Zentraleuropa mehr oder weniger große Bestände. Da sie ausnahmslos Überträger der für alle heimischen Krebsarten tödlichen Krebspest sind, muss ihre weitere Ausbreitung gebremst und womöglich verhindert werden. Sie sind allesamt hervorragende Speisekrebse, vor allem der Signalkrebs, der zudem eine attraktive Größe erreicht. Die vorhandenen Bestände dieser gebietsfremden Krebse sollten durchaus stärker genutzt werden, um ihre unkontrollierte Ausbreitung zu minimieren, aber natürlich auch aus kulinarischen Gründen.

„Viele der bekannten Fisch fressenden Prädatoren sind den sogenannten Neozoen zuzurechnen und in den Regionen, wo sie heute die größten Schäden anrichten nicht ursprünglich heimisch.“ Grau – und Silberreiher, Kormoran und Gänsesäger haben von Natur aus in den Forellen- und Äschenregionen unserer Gewässer nichts verloren.

Die Unionsliste der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 – ein Lösungsansatz

Die EU-Kommission veröffentlichte 2016 gemäß ihren Verpflichtungen aus der Konvention über biologische Vielfalt (CBD) von 1992 die erste schwarze Liste gebietsfremder invasiver Arten.

Die sog. „Schwarze Liste“ ist eine rechtsverbindliche Handlungsgrundlage zum Schutz der biologischen Vielfalt vor invasiven Arten. Insgesamt 37 Tier- und Pflanzenarten wurden 2016 gelistet, deren Besitz und Handel in der EU verboten wird, um ihre Ausbreitung einzudämmen. Zukünftig können weitere invasive Arten gelistet werden. Die Unionsliste schafft eine Grundlage für konkretes Handeln. Besonders wichtig sind ein Besitz- und Vermarktungsverbot sowie schnelle Maßnahmen in der frühen Phase der Invasion. Für bereits weit verbreitete Arten müssen geeignete Managementmaßnahmen identifiziert und umgesetzt werden.

2017 wurde die 1. Ergänzung der Schwarzen Liste erreicht. Riesenbärenklau, Marderhund und Drüsenspringkraut gelten in der EU jetzt auch als invasive gebietsfremde Arten, deren Verbreitung Anlass zur Sorge gibt. Insgesamt zwölf neue Tier- und Pflanzenarten hat der zuständige Ausschuss der EU-Mitgliedstaaten benannt, die in die Unionsliste aufgenommen werden, weil sie potenziell negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben können. Wir begrüßen die Entscheidung, wiesen aber darauf hin, dass die nun gelisteten 49 Arten nur einen Bruchteil der EU-weit als invasiv angesehenen Arten ausmachen.

Was uns verwundert: Einige Mitgliedstaaten haben sich vehement dagegen gewehrt, dass zu viele bei ihnen bereits weit verbreitete Arten auf die Liste kommen, da die Bekämpfung vermehrte Kosten und einen erhöhten Personalaufwand bei den Naturschutzbehörden verursachen könnte.

Artenschutz mit Genuss

Wo immer es möglich scheint soll man also die rasante Verbreitung invasiver Zuwanderer bremsen oder verhindern. Problempflanzen, wenn man sie schon nicht vernichten kann, sollten vor der Blüh- und Samenreife gemäht werden, um so wenigstens den Samenwurf zu verhindern. Eingeschleppte Fische und Krebse sind überwiegend sogar sehr gut zur kulinarischen Verwertung in der Küche geeignet.

Neobionten genussvoll nutzen

Einigen Arten kann man durchaus auch einen – zugegeben kleinen- Nutzen abgewinnen.

Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica), Sachalinknöterich, Böhmischer Knöterich:

So können zum Beispiel die jungen Triebe des invasiven japanischen Staudenknöterichs und seiner verwandten Arten, die im Frühjahr ein Sprossenwachstum von bis zu 30 Zentimetern pro Tag!!! aufweisen können, wie Spargel verkocht und als Beilage zu verschiedenen Speisen genossen werden. Trockene, im Herbst abgestorbene Stängel werden gerne zu Dekorationszwecken verwendet.

Die Samen des „Drüsigen Springkrautes“ (Impatiens glandulifera) etwa, haben ein köstliches, nussiges Aroma. Sie können im Herbst aus den Samenkapseln geerntet und zum Beispiel wie Sesamsaat roh oder geröstet genossen, für allerlei Backwaren (Weihnachtsbäckerei), auf Salaten oder einfach auf‘ s Butterbrot gestreut, verwendet werden.

Mancherorts ist z.B. auch die Topinambur oder Erdbirne (Helianthus tuberosus) außer Kontrolle geraten. Hier gilt natürlich auch ob ihres mild nussigen Geschmacks die kulinarische Verwertung als bester Weg der Eingrenzung.

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) etwa wird auch medizinisch als Mittel gegen Insektenstiche, Halsentzündungen und als harntreibender Tee verwendet.

Zahlreiche andere Neophyten besitzen zwar einen gewissen dekorativen Wert und können gerne auch blühend genutzt werden, aber hier sollte peinlichst darauf geachtet werden, dass Samen und austriebfähige Pflanzenteile nicht kompostiert oder auf irgendeinem anderen Wege in die Natur verbracht werden. Solche Problemarten sind z.B.: Die Kanadische Goldrute, der Götterbaum, der Hirschkolbensumach (Essigbaum), der Schmetterlingsflieder, die Kermesbeere, der amerikanische hohe Sonnenhut, der schlitzblättrige Sonnenhut, die amerikanische Beifuß- Ambrosie, kanadisches Berufkraut, einjähriges Berufkraut, der Riesenbärenklau und viele andere. All diese gedeihen oft besonders gut in gewässernahen Zonen und Uferbereichen, verdrängen durch ihr massenhaftes Vorkommen entweder die heimische Vegetation, verursachen große Bauschäden (Götterbaum), oder sind gar schwer gesundheitsgefährdend (Riesenbärenklau – Verbrennungen, Ambrosie – hoch allergene Wirkung).

Quellenangabe: Gert Richter