9. ÖKF FishLife Forum 2017

„Unsere Fischbestände gehen krass zurück – wir müssen handeln“,

appellierte Prof. Dr. Mathias Jungwirth (BOKU Wien) an die Vernunft aller Verantwortlichen. Systematische Regulierungen, übertriebene Sanierung der Gewässergüte, fehlende Fischnährstoffe, der Kraftwerksboom, Klimawandel, Aliens wie die Meeresgrundel, neue Schadstoffe wie Mikroplastik und nicht zuletzt Fischfresser setzen unseren heimischen Fischbeständen zu. Die nationalen Wasserrechts- und Naturschutzgesetze – bis 2000 vergleichsweise zahnlose Instrumente – wurden durch EU-Richtlinien verschärft. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie bietet eine tolle Basis für Revitalisierungen, währenddessen die Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zugleich auch für die Zunahme der Fischfresser verantwortlich sind.

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Begrüßung / Einleitung:

  • Fischbestände gehen krass zurück – wir müssen handeln! – Download

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Petition | Offener Brief

Gemeinsam für lebenswerte Fließgewässer

Der natürliche Flusslebensraum ist massiv geschädigt. Jahrzehntelang wurden Flüsse in enge Korsetts gezwängt, Fließstrecken begradigt und Uferbereiche befestigt. Durch Kraftwerke werden unsere Flüsse zunehmend mit Wehren zerstückelt und wertvoller Fischlebensraum zerstört. Die vermeintliche Rettung kam mit der „EU-Wasserrahmenrichtlinie“ mit dem Ziel, bis 2017 all unsere Gewässer in einen guten bzw. sehr guten Zustand zu bringen. Im Rahmen des „Runden Tisches Wasser“ wird im Umweltministerium mit Stakeholdern – u.a. mit ÖKF FishLife – an der Umsetzung gearbeitet. Zur Finanzierung fehlt jedoch das Geld. Von den bis 2021 notwendigen Fördermitteln von mind. 140 Mio. Euro stehen bis Ende des Jahres lediglich 4 Mio. Euro aus einem Resttopf zur Verfügung.

Nach heftigen Diskussionen stellte sich beim 9. ÖKF FishLife Forum immer wieder die Frage „Was können wir denn tun?“. Nur ein gemeinsames Auftreten kann die politisch Verantwortlichen aufrütteln. Als Resultat wird nun eine Petition „Gemeinsam für lebenswerte Fließgewässer“ an den Umwelt- als auch an den Finanzminister auf den Weg gebracht. Hinter der Forderung, die Sanierung der Fließgewässer entsprechend dem gesetzlichen Auftrag ernst zu nehmen und die dafür erforderlichen Geldmittel zur Verfügung zu stellen!“, stehen über 250.000 Angler in Österreich, unterstützt von weiteren Naturschutzorganisationen wie WWF und Umweltdachverband. Schaffen wir gemeinsam lebenswerte Fließgewässer!

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ANGELPUNKT „ÖFFENTLICHKEITSARBEIT“: Die Lobby fehlt

Der Tenor beim 9. ÖKF FishLife Forum war klar: „Uns Fischern ist bewusst, dass der Schutz von Tier- und Pflanzenarten NICHT an der Wasseroberfläche aufhören darf und wir hoffen, diese Botschaft weitergeben zu können. ÖKF FishLife appelliert an die Vernunft, für Verständnis und für eine ganzheitliche ökologische Betrachtungsweise.

  • Wertvoller Fischlebensraum geht durch Verbauungen und fehlende Renaturierungen verloren – der Nutzen neuer Bauprojekte muss künftig ehrlich hinterfragt werden und in Relation zum verursachten Schaden an der Gewässerwelt gesetzt werden!
  • Einseitiger Artenschutz gefährdet unsere Fischarten – schützenwert sind alle Arten!
  • „Uns Fischern ist bewusst, dass der Schutz von Artenschutz NICHT an der Wasseroberfläche aufhören darf und wir MÜSSEN diese Botschaft weitergeben.
  • Die Lobby für uns Fischer und die Fische fehlt aber. Die Angelfischerei versinkt in der öffentlichen Wahrnehmung in der Bedeutungslosigkeit. Ein positives Bild in der Öffentlichkeit mit Betonung auf den sozialen Funktionen, wie Naturerlebnis, Erholung bzw. gesunde Nahrungsmittel ist jedoch notwendig, um unsere Anliegen zu transportieren. Es fehlt an Geld bzw. auch am Willen zur Zusammenarbeit um die Öffentlichkeits- und Pressearbeit zu intensivieren. Die Petition „Gemeinsam für lebenswerte Fließgewässer!“ ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.
  • Hätten wir diese Lobby bereits, dann wäre es auch für die zuständigen Landesräte nicht so einfach gewesen, der Diskussion zum Thema Artenschutz und Fischfresser fern zu bleiben.

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ANGELPUNKT „FISCHFRESSER“

Mit all den gehörten Argumenten, gestützt durch Studien und EU-Richtlinien sollten wir um unser Recht wissend gestärkt und selbstbewusst für ein Gleichgewicht im Artenschutz eintreten.

  • Wir wissen: Es gibt genügend Studien, die den Fischrückgang belegen!
  • Wir wissen: Es gibt rechtliche Möglichkeiten für ein Artenmanagement im Rahmen der EU-Naturschutzrichtlinien!
  • Wir wissen: Es gibt genügend Fischotter, um den Arterhalt zu gewährleisten!
  • Wir wissen aber auch: Es gibt zu wenig Fische!

Wir kämpfen nicht GEGEN andere, sondern wir kämpfen FÜR unsere Fische, UM deren Überleben. Artenschutz darf auch nicht mit Tierschutz verwechselt werden. Die Rettung eines kleinen Kätzchens aus dem Motorraum ist Schutz eines kleinen, lieben Individuums – ob dies aber ein NOTWENDIGER Beitrag zum Arterhalt der Katze ist – das ist zu bezweifeln. Oberste Priorität muss dem Schutz ALLER Tierarten eingeräumt werden.

Dies wollten wir auch bei einer Podiumsdiskussion den zuständigen Landesräten für Naturschutz bzw. Fischerei vermitteln. Trotz mehrmaliger schriftlicher Einladungen und telefonischer Urgenzen mit der Betonung auf die Bedeutung dieses Themas für den ganzheitlichen Artenschutz konnte KEINER der politisch Verantwortlichen bewegt werden, sich der Diskussion zu stellen.

ANGELPUNKT LEBENSRAUM WASSER

Zur Umsetzung all dieser Maßnahmen fehlt nach wie vor das Geld. Als Resultat heftiger Diskussionen wird nun eine Petition „Gemeinsam für lebenswerte Fließgewässer“ an den Umwelt- als auch an den Finanzminister auf den Weg gebracht.

ANGELPUNKT BESATZ

Wo liegt das richtige Maß zwischen natürlichem Aufkommen von Wildfischen und dem Besatz von Fischen aus Aquakulturen? Nachhaltiger Fischbesatz zielt darauf ab, das Aufkommen des natürlichen Fischbestandes – notwendig für das ökologische Gleichgewicht zu fördern. Idealerweise sollten Besatzfische in kleinen Bächen aufwachsen, um für die natürlichen Bedingungen und Fressfeinde besser gerüstet zu sein. Wo soll man Besatzfische aber hernehmen, wenn viele kleine Bäche – in die Fische zum Laichen aufsteigen und als Kinderstube diesen, von Fischfressern mehr oder weniger leer gefressen werden?

Die oft hohen Pachtpreise müssen durch Lizenzeinnahmen gestemmt werden. Vereine brauchen daher eine ausgeglichene Basis aus Mitgliedern, Lizenznehmern und genügend Fische. Bei einer ausreichend finanziellen Ausstattung sind auch ökologische Maßnahmen in den Revieren leistbar.

Diesen Spagat müssen Fischereivereine aber erst meistern.
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Themenkreis 1: 

Fischfresser

Dr. Rudolf Gürtler (Rechtsanwalt, leidenschaftlicher Fischer und Jäger) führte als Moderator durch den ersten Themenkreis „Druck der Fischfresser auf die Bewirtschaftung von Gewässern“

In seinem Vortrag Fischotter und Fischerei – ein unlösbares Problem widmete sich HR Dr. Günther Schlott (wissenschaftlicher Beirat) der Auswertung von über 200 Medienartikeln. Falsche Aussagen wie „Es gibt keine Studien!“, „Maßnahmen widersprechen den EU-Richtlinien“, „Der Fischotter ist nicht schuld!“, „Fischteiche gehören halt eingezäunt!“ sind Schlagzeilen der vergangenen Jahre. Unsere Gegenargumente verlaufen meist im Sande. Es stellt sich überhaupt die Frage, ob der Otterschutz an einer Lösung überhaupt interessiert ist.

In seinem Vortrag „Der Rababach und der Fischotter“ zeigte Mag. Thomas Friedl (Landesfischereiinspektor Stv. Ktn), dass nach mehrmaligen Angeltagen nur ein Fisch über dem Mindestmaß gefangen werden konnte. Fischotter suchen in regelmäßigen Abständen diesen natürlichen Forellenbach auf, wo weder Besatz noch eine Fischentnahme stattfindet. Bei einem Fischbestandsrückgang von ca. 70 – 80 % wird auch der natürliche Altersaufbau, entscheidend für eine selbständige Reproduktion, zerstört.

Dr. Gerhard Heilingbrunner (Ehrenpräsident Umweltdachverband) musste krankheitsbedingt leider kurzfristig absagen. Er bestätigte im Vorfeld der Veranstaltung aber seine Meinung, dass Naturschutz unter der Käseglocke nicht zum Ziel führen kann. In der einseitigen Betrachtungsweise zum Schutz einzelner Arten ist ein erweiterter Blickwinkel notwendig.

Sonja Behr (ÖKF FishLife) analysierte in Vertretung des erkrankten Dr. Franz Kohl die „Möglichkeiten im Rahmen der EU-Naturschutzrichtlinien“. Seit 25 Jahren hören wir von den Naturschutz NGOs immer die gleiche Leier: „Das ist gegen EU-Recht“. Aber sowohl bei der Vogelschutzrichtlinie als auch die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie sind Ausnahmeregelungen zur Verhütung ernster Schäden an Fischgründen als auch an Fischereirechten (Eigentumsrecht) sehr wohl erlaubt. Es ist nur eine Meldung an die EU notwendig. Sämtliche bis dato angedrohte Klagen waren erfolglos.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern der Landesfischereiverbände zeigte sich die unterschiedliche Handhabung in den Bundesländern.

Während in der Steiermark Eingriffe lt. Dr. Friedrich Ebensperger (LFV Stmk.) nur in Fischzuchtbetrieben möglich sind, berichtete Peter Mayerhofer (LFV Vbg.) von einem erfolgreichen Eingriff in eine Kormorankolonie in ein Naturschutzgebiet in Vorarlberg (Fussacher Bucht am Bodensee), wo der Bestand der Brutpaare von über 350 Stück auf ca. 40 verringert wurde. Allerneueste Möglichkeiten ergeben sich in Niederösterreich. Auf Grundlage zweier Studien der BOKU Wien wird Entnahme von 40 Fischottern an ausgesuchten Gewässern gestattet sein. In Kärnten ist der Fischotter seit 2014 mit ca. 160 Tieren fast flächendeckend vertreten ist. 2017 ist eine Bestandsschätzung mittels genetischer Analyse im Laufen. Lt. FM DI Orsini-Rosenberg (LFV Kärnten) sind 4 Landesreferenten für das Thema Fischotter zuständig, die Verhandlungen zur Entnahme von 30 Ottern ziehen sich also in die Länge. In Oberösterreich berichtete DI Klaus Berg (LFV OÖ), dass im Herbst mit ersten Ergebnissen aus dem Managementplan zu rechnen sei. Ziel ist es, den Fischotter als jagdbares Wild mit Schon- und Schusszeit zu behandeln. Eine Prädatoren-App erleichtert die Erfassung der fischfressenden Tiere. Mag. Ludwig Vogl (ÖFV; LFV Sbg.) zollte den bereits vorhandenen Managementplan Respekt, in Salzburg ist man leider noch nicht soweit. Als Jäger betonte er, dass das Warten auf Selbstregulierung durch natürliche Feinde ein Märchen ist. Zacharias Schähle (LFV Tirol) möchte den Fokus von den Räubern auf das Problem Fischbestand verlagern. In Tirol ist der Otter noch kein Thema. Regelungen, wie beim Kormoran, sind zwecklos, wenn die Abschusszahlen nicht eingehalten werden.

Themenkreis I (21.04.):
Druck der Prädatoren auf die Bewirtschaftung von Gewässern Machen sie eine nachhaltige Bewirtschaftung bald unmöglich?

  • Fischotter und Fischerei – Ein unlösbares Problem ? – Download
  • Möglichkeiten im Rahmen der EU-Naturschutzrichtlinien – Download
  • Einfluss des Fischotters auf den Fischbestand eines kleinen Forellenbaches im Klagenfurter Becken – Download

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Themenkreis 2: 

EU-Wasserrahmenrichtlinie

Durch den zweiten Themenkreis „EU-Wasserrahmenrichtlinie- Grauzone oder doch Verpflichtung?“ führte uns Prof. Dr. Mathias Jungwirth.

Mit Nachdruck wies Prof. Dr. Stefan Schmutz (BOKU Wien) auf die „Herausforderungen bei der Sanierung der Fließgewässer in Österreich“ hin. Die Situation ist wirklich bedenklich. Noch immer sind 63 % aller Gewässer in keinem guten Zustand sind. Das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie, bis 2017 alle heimischen Gewässer zu bringen, ist unrealistisch.

DI Berhard Zeiringer (BOKU Wien) zeigte die drastischen „Auswirkungen von Schwall auf die Gewässerökologie“. In über 800 durch Schwallbetrieb belastete Flusskilometer wird das Jungfischaufkommen durch Trockenfallen der Laichplätze, das Stranden und Driften von Jungfischen sowie der Verlust von Benthos (Lebewesen in der Bodenzone) erheblich vermindert. In HyTech, einer künstlich angelegten Gewässerstrecke, wird mit künstlich herbeigeführten und regulierbaren Schwall-Sunk-Betrieb nach Maßnahmen mit möglichst geringem ökonomischen Aufwand, aber maximalen ökologischen Nutzen gesucht.

DDI Kurt Pinter (BOKU Wien) widmete sich dem Thema „Kontinuumsunterbrechungen an Fließgewässern“. Derzeit gibt es über 63.000 Querbauwerke im potentiellen Fischlebensraum. Pinter betonte, dass das gezielte Öffnen von bereits einen wenigen neuralgischen Punkten einen wesentlichen Mehrwert für die Fischbestände ergibt. Neue Entwicklungen wie die Fischschnecke bieten die Möglichkeit eines Fischauf- als auch –abstiegs. Das Forschungsprojekt „Fischschutz und Fischabstieg in Österreich“ soll mit drei Fallstudien an ausgesuchten Flüssen einen Ausblick auf technische Möglichkeiten eines Fischabstieges geben.

Der Problematik „Stauraumspülungen und Probleme des Geschiebehaushaltes im Hinblick auf Fischbestände“ widmete sich Dr. Günther Unfer (BOKU Wien). Stauraumspülungen führen unweigerlich zu Fischsterben. Feststoffmanagementkonzepte können helfen. Durch häufigere, aber kleinere Spülungen könnten die Auswirkungen anstelle der seltenen „Katastrophenspülungen“ Auswirkungen verringern könnten. Das geplante Projekt „Christian Doppler Labor“ wird nach praktikablen Lösungen suchen.

Mag. Gregor Schamschula (ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung) analysierte in seinem Vortrag „Wasserrecht zwischen Weser und Sulm“ die Auswirkungen der EuGH Urteile auf die Praxis. Der EuGH kommt bei der geplanten Eintiefung des Flusses Weser (D) zum Schluss, dass eine Verschlechterung lt. EU-Wasserrahmenrichtlinie auch dann vorliegt, wenn sich nur EINE Qualititätskomponente verändert. Der Euphorie nach diesem EuGH Urteil folgte dann die Ernüchterung. Beim geplanten Kraftwerkbau an der Schwarzen Sulm fand der EuGH die Bewertung des „öffentlichen Interesses“ vom Prinzip her – ohne Überprüfung der Datengrundlagen – als ausreichend betrachtet.

RA Dr. Renner berichtete über die Möglichkeiten zur „Entschädigungen im Wasserrechtsverfahren“. Fischereiberechtigte können bei Projekten Maßnahmen zum Schutz der Fischerei verlangen. Eine allfällige Entschädigung ist bereits im wasserrechtlichen Verfahren zu beantragen (andernfalls Säumnis).

Bei der abschließenden Diskussion mit Dr. Veronika Koller Kreimel (BMLFUW), Mag. Stefanie Schabhüttl (Umweltdachverband), Mag. Gregor Schamschula (in Vertretung von Christoph Walder/WWF) und Helmut Belanyecz (ÖKF FishLife) zeigte sich eindeutig, dass die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie nur sehr schleppend vorangeht. Notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustandes werden aufgrund fehlender Fördermittel nur „freiwillig“ sein.

Zur Umsetzung all dieser Maßnahmen fehlt nach wie vor das Geld. Als Resultat heftiger Diskussionen wird nun eine Petition „Gemeinsam für lebenswerte Fließgewässer“ an den Umwelt- als auch an den Finanzminister auf den Weg gebracht Die Petition finden Sie hier.

Themenkreis II (22.04.):
EU-Wasserrahmenrichtlinie – Grauzone oder doch Verpflichtung? – Wie sich die EU-Wasserrahmenrichtlinie auf unsere Gewässerbewirtschaftung auswirkt.

  • Herausforderungen bei der Sanierung der Fließgewässer in Österreich – Download
  • Schwallbetrieb an Fließgewässern: Auswirkungen und Möglichkeiten zur Sanierung – Download
  • Kontinuumsunterbrechungen an Fließgewässern – Download
  • Stauraumspülungen und Probleme des Geschiebehaushalts im Hinblick auf Fischbestände – Download
  • Wasserrecht zwischen Weser und Sulm, Auswirkungen der EuGH Urteile auf die Praxis – Download

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Themenkreis 3:

Besatz

HR Dr. Albert Jagsch (pens. Leiter des Bundesamtes für Wasserwirtschaft in Scharfling) übernahm die Moderation des dritten Themenblockes „Ewiges Spannungsfeld Besatz – Bewirtschaftung er(be)satzlos streichen?“

Der Notwendigkeit von „Fischbesatz im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Erwartungen der Angler und Pachpreisen“ ging Mag. Stefan Guttmann (Verein „Rettet die Ybbsäsche“) nach. Pachtpreise müssen in Relation zur Ertragsfähigkeit der Reviere stehen. Der Revierertrag steht im Zusammenhang mit den verkauften Lizenzen und Fischertrag. Besatz darf aber auf keinen Fall den natürlich vorkommenden Fischbestand beeinträchtigen. In Revieren mit schlechtem Bestand, aber guten Aussichten kann durch nachhaltigen Besatz das Fischaufkommen unterstützt werden. Heimischen Fischen sein, das Einbringen junger Fischen bzw. Eiern sollte auf jeden Fall der Vorzug gegeben werden. Ein begleitendes Monitoring darf nicht fehlen um die Auswirkungen bzw. Erfolge/Misserfolge der Maßnahmen zu kontrollieren.

Meinhard Mayr (Landesfischereiverband Südtirol) widmete sich der Frage „Gilt der Leitsatz: Wer ernten will, muss auch säen?“. Er ging sehr differenziert an dieses Thema heran und zeigte, dass es auf das Revier ankommt. Während in einem Bachforellengewässer der Besatz derzeit in jeglicher Form für den „Reiher“ ist, ist ein Maßfischbesatz in einer Schwallstrecke der Etsch unumgänglich um die Nutzung als Fischgewässer beibehalten zu können. Der Besatz der heimischen marmorierten Forelle wird seit 2016 nur mehr in Form von genetisch zertifizierten Eiern, Brütlingen oder Sömmerlingen durchgeführt. Der Besatz fangreifer Fischen ist auf eine geringe Anzahl von Regenbogenforellen beschränkt. So ist die Gratwanderung zwischen dem Arterhalt der Marmorata und einer Nutzung als Fischgewässer zu schaffen.

Franz Kiwek (Österreichische Fischereigesellschaft) erzählte von der „Zeitgemäßen Hege der Fischbestände“ zum Schutz des Lebensraum Wassers und seiner Bewohner. Strukturverbesserungen und ökologisch nachhaltiger Besatz in Form von Laichplatzmanagement, Ei-Besatz und schwimmenden Brutboxen zeigen nachhaltige Erfolge.

Der Bedeutung der Angelfischerei in Teichen und Baggerseen mit dem Schwerpunkt „Besatz und Bewirtschaftung“ widmete sich Günther Gratzl (Ökologische Station Waldviertel/BAW). Für eine angelfischereiliche Bewirtschaftung in Teichen mit geringer natürlicher Ausstattung mit Besatz ist durchaus legitim. Ein hoher Prozentsatz der Angler fischt an solchen Gewässern und mehr Menschen wird so der Zugang zur Angelfischerei ermöglicht. Fischbordelle bzw. Fischpuffs mit Massenbesatz von fangfähigen Fischen und Fanggarantie sind aber auf jeden abzulehnen.

Dr. Eva Lewisch (Veterinärmedizinische Universität Wien) appellierte an die Gewässerbewirtschafter in ihrem Vortrag „Fischkrankheiten – Ist Besatz ein Risiko?“ um besondere Sorgfalt beim Kauf der Besatzfische. Eine Rückverfolgung bis zum Ei vermindert die Einfuhr von nichtheimischen Parasiten, deren Verbreitung durch den globalen Handel massiv zunimmt. Die üblichen „heimischen“ Parasiten spielen bei korrekt durchgeführtem Besatz kaum eine Rolle, sie sind selbstlimitierend.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion stellten sich FM Di Willibald Hafellner (Teichwirteverband NÖ), FM Helfried Reimoser (Teichwirteverband Stmk.) und Hubertus Rothermann (Fischzüchter) den Fragen des Publikums.

Themenkreis III (22.04.):

Ewiges Spannungsfeld Besatz – Bewirtschaftung er(be)satzlos streichen?

  • Fischbesatz im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Erwartungen der Angler und Pachtpreisen
    Fallbeispiele von der Ybbs – Download
  • Gilt der Leitsatz „Wer ernten will, muss auch säen?“ – am Beispiel der marmorierten Forelle – Download
  • Zeitgemäße Hege der Fischbestände – Download
  • Besatz und Bewirtschaftung von Angelteichen – Download
  • Fischkrankheiten: Ist der Besatz ein Risiko? – Download

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