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  • Europas Angler schaffen sich Gehör

Von Wien über Cork nach Brüssel:
THEMEN, DIE UNS BEWEGEN

Europas Angler reden mit

Wie viel Schutz brauchen unsere Flüsse? Was hilft gefährdeten Fischbeständen? Und wer entscheidet über die Zukunft der Angelfischerei? Die Europäische Anglerallianz bringt Erfahrungen vom Wasser dorthin, wo Europas Regeln entstehen.

Ein Kormoran an der Drau, ein Wanderhindernis in einem irischen Fluss, eine Fangmeldung am Smartphone: Was zunächst wenig miteinander zu tun hat, führt zu einer gemeinsamen Frage. Wie gelingt es, Fischbestände zu schützen und Gewässer verantwortungsvoll zu nutzen?

Fische brauchen intakte Lebensräume. Anglerinnen und Angler brauchen eine starke Stimme. Beides verbindet die EAA: Sie vernetzt Mitgliedsverbände, Wissenschaft und Politik und vertritt die Interessen der Angelfischerei auf europäischer Ebene.

Die Allianz wächst: Bei ihrer Generalversammlung im September 2026 in Cork kamen Verbände aus Frankreich und Estland hinzu. Für das ÖKF bedeutet dieses Netzwerk, österreichische Erfahrungen einzubringen, Partner zu gewinnen und gemeinsam mehr zu erreichen.

Für das ÖKF ist dieses Netzwerk ein Weg, österreichische Anliegen über die Landesgrenzen hinaus einzubringen. Denn viele Herausforderungen an unseren Gewässern lassen sich nur gemeinsam lösen.

ÖKF brachte Österreichs Themen auf den Tisch

Die EAA-Generalversammlung 2025 in Wien bot dafür eine wichtige Bühne. Das ÖKF präsentierte die Studie „Angeln in Österreich“, die Situation beim Fischotter, die Forschung zu ProtectFish und die Nachwuchsarbeit. Auch der Störschutz an der Donau zeigte, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit für bedrohte Arten ist.

Der erste EAA-Jahresbericht 2025 blickt auf das Wiener Treffen zurück und dokumentiert die Arbeit der Allianz in Brüssel. Ein Jahr später standen in Cork erneut Themen im Mittelpunkt, die auch Österreich betreffen: Gewässerschutz, Fischfresser, bleihaltige Angelgeräte und die Zukunft der Angelfischerei.

Europas Gewässer: Der Schutz steht zur Diskussion

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie klingt nach Verwaltung. An unseren Gewässern geht es dabei um sehr konkrete Dinge: ausreichend Wasser, weniger Schadstoffe, durchgängige Flüsse und Lebensräume, in denen sich Fische natürlich vermehren können.

Die EAA verfolgt die Diskussion über eine Überarbeitung deshalb aufmerksam. Gemeinsam mit Living Rivers Europe fordert sie, bestehende Schutzstandards zu erhalten und die Umsetzung voranzubringen. Ein offener Brief an die EU-Kommission, gemeinsame Fachinformationen und eine Beschwerde bei der Europäischen Bürgerbeauftragten unterstreichen dieses Anliegen.

Für die Fische zählt, was sich tatsächlich im Gewässer verbessert. Die irischen Gastgeber zeigten dazu ihr National Barriers Programme: Künstliche Wanderhindernisse werden erfasst und bewertet, damit Maßnahmen dort ansetzen, wo sie besonders viel bewirken.

ProtectFish: Artenschutz muss auch unter Wasser wirken

Wer schützt die Fische, wenn Fischfresser ihre Bestände unter Druck setzen? Ein Schwerpunkt der europäischen Arbeit ist das EU-Forschungsprojekt ProtectFish. Es untersucht, wie Fischprädation Fischbestände beeinflusst; die EAA begleitet das Projekt in einem externen Beratungsgremium. Im Zentrum steht die Forderung nach vergleichbaren Daten und einem Management, das regionale Belastungen berücksichtigt und auf wissenschaftliche Erkenntnisse reagiert.

Die Debatte betrifft auch den Kormoran. Als weit wandernde Art macht er an Staatsgrenzen nicht halt; entsprechend greifen lokale Maßnahmen häufig zu kurz. Ein europäischer Managementansatz soll auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen und sowohl gefährdete Fischarten als auch die Auswirkungen auf Berufs- und Freizeitfischerei berücksichtigen. Eine EIFAAC/EAA/FEAP-Studie zu Kormoranschäden und ein Entwurf für einen europäischen Kormoranmanagementplan geben der Diskussion zusätzlichen Auftrieb.

Der Policy-Brief fordert ein vergleichbares Monitoring, die Anerkennung von Prädation als Belastung für Fischbestände und ein Management, das auf regionale Bedingungen reagiert und anhand neuer Erkenntnisse angepasst wird. Dazu gehören ein offener Brief an die EU-Kommission, ein gemeinsames Briefing und eine Beschwerde bei der Europäischen Bürgerbeauftragten sowie die Unterstützung der Kampagne „Hands Off Nature“. Beim Kormoran endet die Herausforderung nicht an der Staatsgrenze. Die Vögel sind hochmobil; lokale Maßnahmen allein greifen deshalb häufig zu kurz. Der Rahmen für einen europäischen Kormoranmanagementplan setzt auf abgestimmtes Vorgehen und wissenschaftliche Grundlagen. Im Mittelpunkt stehen gefährdete Fischarten sowie die Auswirkungen auf Berufs- und Freizeitfischerei und Aquakultur.

Wie stark der Druck auf heimische Fischbestände sein kann, untersucht die BOKU unter Leitung von Dr. Kurt Pinter an der Oberen Drau. Im Interview erklärt er, wie viel Prädation unsere Fischbestände noch verkraften können. Innerhalb weniger Wochen ist das Kormoranmanagement auf nationaler und internationaler Ebene so präsent wie selten zuvor. Am 25. September 2026 forderten dreizehn Bundesländer auf der Agrarministerkonferenz eine Initiative des Bundes in Brüssel. Am 6. Oktober 2026 legten Fachleute auf einem Workshop der Europäischen Beratungskommission für Binnenfischerei und Aquakultur (EIFAAC) in Riga neue Zahlen zu den Schäden vor.

Fischfresser
Forderungen erhalten internationalen Rückhalt

Beim Umgang mit Fischfressern kommt Bewegung in die europäische Debatte: Die Europäische Binnenfischerei- und Aquakulturkommission (EIFAAC) hat die Empfehlungen des internationalen Workshops vom 6. Oktober 2026 in Riga offiziell bestätigt. An der anschließenden EIFAAC-Sitzung nahmen 29 europäische Länder und die EU teil.

Die Botschaft ist klar: Fischfresser sind Teil natürlicher Ökosysteme. Hohe oder örtlich konzentrierte Bestände können jedoch die Erholung gefährdeter Fischpopulationen erschweren und erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Ihr Einfluss muss deshalb gemeinsam mit Lebensraumverlust, Gewässerverschmutzung und Klimawandel berücksichtigt werden.

Gefordert werden ein wissenschaftlich fundiertes, europaweit abgestimmtes Management und praktikablere Verfahren, um auf lokale Probleme rechtzeitig reagieren zu können. Dazu zählt die Umsetzung eines europäischen Kormoranmanagementplans im Einklang mit dem EU-Naturschutzrecht. Vergleichbare Bestands- und Schadensdaten sollen die Grundlage schaffen; auch Auswirkungen auf die Angelfischerei und der Einsatz Ehrenamtlicher sollen erfasst werden.

Die Zusammenarbeit mit dem EU-Projekt ProtectFish soll Forschungsergebnisse schneller in konkrete Maßnahmen übersetzen. Auch die Auswirkungen von Fischottern und weiteren Fischfressern sollen genauer untersucht werden. Damit erhält ein zentrales Anliegen des ÖKF zusätzlichen internationalen Rückhalt: Artenschutz muss auch gefährdete Fischbestände wirksam schützen. Unterlagen und Präsentationen zum Workshop

Auf Grundlage einer EIFAAC/EAA/FEAP-Studie zu Schäden der Kormoranprädation auf Fischbestände liegt nun ein Entwurf für einen europäischen Kormoranmanagementplan vor. Das Momentum für eine Änderung des europäischen Kormoranmanagements ist damit so groß wie nie zuvor. Ob es ausreicht, um die seit Jahrzehnten verhärteten Fronten und Strukturen aufzubrechen, bleibt jedoch abzuwarten.

Zusätzliche Bedeutung erhält die Debatte durch den EU-Stresstest der FFH- und Vogelschutzrichtlinie. Das ÖKF fordert einheitliche Bewertungsmethoden, nachvollziehbare Erhaltungsziele und rechtssichere, praxistaugliche Ausnahmen beim Management von Fischotter und Kormoran. Die Kommission will ihren Abschlussbericht Ende 2026 vorlegen.

Wenn das Smartphone zum Fangbuch wird

Für Meeresanglerinnen und Meeresangler hat die europäische Politik bereits neue Pflichten gebracht: Seit Jänner 2026 müssen bestimmte Fänge elektronisch gemeldet werden. Dafür steht unter anderem das EU-System RecFishing zur Verfügung.

Die EAA sieht darin eine Chance, bessere Daten über die Freizeitfischerei zu gewinnen. Gleichzeitig fordert sie Anwendungen, die verständlich und einfach zu bedienen sind. Auch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Beitrag der Angelfischerei soll in politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.

Wie digitale Fangdokumentation im Alltag funktioniert, untersucht das Forschungsprojekt EveryFish. Welche Anwendungen werden genutzt? Was erleichtert die Dokumentation, was erschwert sie? Erfahrungen vom Wasser sollen helfen, bessere Lösungen zu entwickeln. Hier können Anglerinnen und Angler an der Umfrage teilnehmen.

Auch bei bleihaltigen Angelgeräten stehen Veränderungen an. Die EU-Regelung sieht gestaffelte Verkaufsbeschränkungen vor, abhängig von Art und Gewicht der Geräte. Die Übergangsfristen beginnen mit dem Inkrafttreten der Verordnung. Ein EU-weites Verwendungsverbot für die Freizeitfischerei ist dabei nicht vorgesehen.

Gute Ideen kennen keine Grenzen

Europäische Zusammenarbeit bringt auch Anregungen für die Vereinsarbeit. Das dänische Projekt „Anglers of the Future“ zeigt, wie gezielte Nachwuchsarbeit junge Menschen erreicht. Die ÖFG Fishing Ladies stellten in Wien vor, wie Frauen für die Angelfischerei begeistert werden können.

In Cork brachten Dr. Harry Strehlow vom Thünen-Institut und Dr. Kieran Hyder von Cefas die wissenschaftliche Perspektive ein. Der Austausch funktioniert in beide Richtungen: Forschung unterstützt die Praxis; Anglerinnen und Angler liefern wertvolle Beobachtungen vom Wasser.

Eine unmittelbar umsetzbare Idee präsentierten die irischen Gastgeber mit „Check, Clean, Dry“: Ausrüstung prüfen, reinigen und trocknen. Beim Gewässerwechsel hilft das, invasive Arten und Krankheitserreger nicht weiterzutragen. Zum Kampagnenvideo.

. Zum Kampagnenvideo

Nächster Halt: Vejle

Der Blick richtet sich bereits nach Dänemark. Vom 8. bis 12. September 2027 ist die nächste EAA-Generalversammlung in Vejle geplant. Das ÖKF möchte dort das Fischottermanagement auf die Tagesordnung bringen und dafür frühzeitig Partner aus betroffenen Ländern und Regionen gewinnen.

Die entscheidende Arbeit beginnt schon vorher: Erfahrungen zusammentragen, wissenschaftliche Erkenntnisse verbinden und gemeinsame Forderungen entwickeln. Damit die Probleme an unseren Gewässern in Brüssel gehört werden – und europäische Entscheidungen auch den Fischen zugutekommen.

Sonja Behr (9.10.2026)

Interessante Links:
Europäische Anglerallianz
EAA-Jahresbericht
EIFAAC/EAA/FEAP-Studie zu Schäden der Kormoranprädation auf Fischbestände
Rahmen für einen europäischen Kormoranmanagementplan
Policy-Brief ProtectFish
Im Interview erklärt Kurt Pinter, wie viel Prädation unsere Fischbestände noch verkraften können (River and Nature Trust) 
Hier können Anglerinnen und Angler an der Umfrage Every Fish teilnehmen.

Aktuelles-2018, Allgemein
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