ÖKF FishLife FORUM 2020

 

DIE SICHT DER „ANDEREN“ – UMGANG MIT PRÄDATOREN 

FORUM bedeutet miteinander reden.
Die Sicht der ANDEREN zu wissen ist die Basis für ein erfolgreiches Miteinander und hilft uns einander zu verstehen.

Soll so unsere Zukunft am Wasser aussehen?

Zur Zukunft der Angelfischerei – I(i)hre Situation und Perspektiven
Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen
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Sonja BEHR, ÖKF FishLife

Die Basis bilden die Ergebnisse der jüngsten ÖKF-FishLife-Umfrage. „Wenn das Problem Fischfresser nicht gelöst wird, sind andere Maßnahmen sinnlos“, war der Tenor vieler Einzelmeldungen.  Putzig und süß – nein, das sind keine Eigenschaften, die man üblicherweise mit Fischen in Verbindung bringt. Da haben es Fischotter&Co schon leichter. Trotzdem ist beim Schutz einzelner, plakativer Arten dringend Augenmaß gefragt.  Natürlich ist es einfach, im Thema Gewässerschutz einen Konsens mit anderen Naturschutzorganisationen, unter anderem in der Plattform „Flüsse voller Leben“  zu finden. Es ist jedoch grundfalsch, den Fokus nur auf ein einzelnes Problem von vielen zu richten. Sonst haben wir später zwar wieder schöne Gewässer, aber nichts mehr darin.
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Zu den Detail-Ergebnissen der Umfrage


Regelungen zum Prädatorenmanagement – wie wir weiterkommen könnten
Mag. Stefan GUTTMANN, Amt der OÖ LR, Abt. Naturschutz

Mag. Stefan Guttmann – selbst leidenschaftlicher Fischer – versuchte so neutral als möglich  die Position der Abteilung Naturschutz beim Amt der OÖ-Landesregierung darzulegen. Der Zugang der Behörde zum Konflikt zwischen Fischereiverbänden und NGOs ist simpel. Entscheidungen über Maßnahmen sollen faktenbasiert, neutral und emotionslos erfolgen. Gutachten müssen plausibel und nachvollziehbar sein. Aber so einfach ist es nicht, erläutert Mag. Guttmann. Das beginnt schon bei der Beschaffung der Datengrundlagen, sind doch Gewässer sehr komplexe und hochdynamische Systeme mit vielen Einflussfaktoren. Und genau das macht es schwierig, sofortige Maßnahmen zu ermöglichen. Dazu kommt der mediale Druck, der sowohl von den Fischereiverbänden als auch von den NGOs erzeugt wird, um die Öffentlichkeit auf die eigene Seite zu ziehen – das ist nicht hilfreich, betont Mag. Guttmann.
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Schadensabwicklung in Kärnten  bei ganzjährig geschonten Wildarten am Beispiel Fischotter
In Vertretung des erkrankten DI Gabriel Honsig-Erlenburg (Landesfischereiinspektor Känrten)  ist dankenswerterweise DI Hubertus ORSINI ROSENBERG (Obmann LFV Kärnten) eingesprungen.

Monitorings seit den frühen 2000er Jahren zeigen eine deutliche Zunahme und flächendeckende Ausbreitung des Fischotters in Kärnten. 2017 wurden 361 Tieren (inkl. Jungtieren) gezählt, wobei in ca. 98 % der untersuchten Gewässerabschnitte der Fischotter nachgewiesen werden konnte. Ein Gutachten der Universität Graz (Weiss S., 31.01.2018) stellte den günstigen Erhaltungszustand des Fischotters in der alpinen Bioregion Österreichs fest. Für  Schäden, verursacht durch ganzjährig geschonte Wildtiere, wurde der Kärntner Wildschadensfonds zur Gewährung von Unterstützungsleistungen eingerichtet. Diese Unterstützungen ist für Bewirtschafter von Teichen und Fischzuchtbetrieben, aber für die der Fließgewässer vorgesehen. Gerade in Fließgewässern sind zusätzliche Maßnahmen sinnvoll, die den natürlichen Fischbestand fördern.

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Fischer verbessern Lebensraum -Die Bedeutung der Angelfischerei für den Gewässerschutz
Helmut BELANYECZ, ÖKF FishLife

Präsident Helmut Belanyecz betonte, dass die österreichischen Fischer an den Flüssen gewaltige Revitalisierungen durchgeführt haben und brachte einen repräsentativen Querschnitt aus den Bundesländern. „Leider ist bei unserem Fließgewässernetz von 100.000 km noch sehr viel zu machen“, betonte er eindringlich. „Das aktuelle INTERREG-Projekt „Alpen-Karpaten-Flusskorridor“ mit Revitalisierungsmaßnahmen an der Fischa und Schwechat ist ein Musterbeispiel für die gute Zusammenarbeit mit dem FV Fischamend“, ergänzt Präsident Belanyecz.

 

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Fischer verbessern Lebensraum -Die Bedeutung der Angelfischerei für den Gewässerschutz
Christoph CASPAR, MSc, Bakk. phil, viadonau

Die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Fischereiausübenden und viadonau ist eine der Hauptbedingungen für ein gutes Miteinander. viadonau ist nicht nur ein Infrastrukturbetreiber, sondern trägt auch Verantwortung für ökologisch sensible Lebensräume an Donau, March und Thaya, einschließlich deren Uferbereiche. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden und die Lebensbedingungen für die typische Tier- und Pflanzenwelt in den Gewässerökosystemen zu verbessern, verfolgt viadonau einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser Ansatz zeigt sich ganz besonders in der Umsetzung von ökologischen Projekten, um den Lebensraum Donau schützen und die Zukunft des Flusses mitgestalten.

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Prädatoren aus Sicht des WWF: Welche Gemeinsamkeiten haben wir? Was trennt uns? Wie können wir das überwinden?
Mag. Arno ASCHAUER, WWF

„Neben der österreichweiten Sicht auf Belastungsfaktoren und deren Lösungen können natürlich lokal Situationen auftreten, die im Einzelfall Ausnahmen vom strengen Schutz rechtfertigen und entsprechend den EU-Richtlinien auch angewendet werden können“, war die Botschaft. Aus Sicht des WWF sind derartige Ausnahmegenehmigungen jedoch nur kurzfristige Not- bzw. Scheinlösungen und können die rechtlich verpflichtende und ökologisch notwendige Sanierung der Gewässer nicht ersetzen. Aus Sicht des WWF ist es wichtig, unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen zu respektieren und versuchen zu verstehen sowie auf Basis fachlich fundierter und objektiver Grundlagen zu diskutieren.

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Das Wappentier des Naturschutzbund Österreich: eine naturschutzpolitische Herausforderung
Prof. Dr. Walter HÖDL, Österreichischer Naturschutzbund

Der ÖNB sieht sich als „Anwalt der Umwelt“ zur Vertretung der Interessen der Natur. In seinem Referat begegnet er den drei Hauptvorwürfen gegenüber dem Fischotter nur mit den bekannten Gegenargumenten. Das ÖKF könnte eine durchaus wichtige Rolle in der politischen Durchsetzung von Gewässerrevitalisierungen spielen, indem es darauf verzichtet, sich auf den Fischotter einzuschießen. Wie bei anderen Beutegreifen wird von allen Seiten zu vile naturschutzpolitsche Energie gebunden, die bei den Schutzbemühungen auf der Fläche fehlen. Sein Traum wäre eine Art „Zwangskonklave“, bei der nach harten Verhandlungen weißer Rauch aufsteigen soll.

 

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Podiumsdiskussion Angelfischerei | Naturschutz
Umgang mit Prädatoren – Wie finden wir zu gemeinsamen Lösungen

Dr. Rudolf GÜRTLER em. Rechtsanwalt | em. Sachverst. für Fischerei
Dr. Günther KRÄUTER , Verband Österr. Arbeiter-Fischereivereine
Franz KIWEK, Österr. Fischereigesellschaft gegr. 1880
Steven WEISS, Karl-Franzens Universität Graz, Inst. f. Zoologie
Mag. Arno ASCHAUER, WWF
Prof. Dr. Walter HÖDL, Naturschutzbund Österreich

 

WWF und NSB konzentrierten sich auf den Zustand unserer Gewässer und forderten die weitere Bereitstellung von ausreichend Datenmaterial. Bestehende Gutachten, beispielsweise aus NÖ und zuletzt aus der Steiermark, wurden jedoch nicht zur Kenntnis genommen. Stattdessen wurde bis dato in der Öffentlichkeit, Stimmung für das „Opfer“ Fischotter gemacht. Die Frage, wie man eine gemeinsame Lösung finden kann, heizte die Podiumsdiskussion so richtig an.

Dr. Günther Kräuter, Präsident VÖAFV merkte dazu an: “Ich bezweifle ernsthaft, ob eine Zusammenarbeit mit dem WWF, dem NSB und ähnlich einseitig ausgerichteten Organisationen bezüglich des Tier- und Artenschutzes möglich ist. Mit Organisationen, die das Leben unter Wasser nachweislich nicht respektieren, kann es keine sinnvolle Kooperation auf Augenhöhe geben. Gute Erfahrungen, sogar bei gemeinsamen Pressekonferenzen, gibt es allerdings unter anderem bei der Kritik an sinnlosen, naturzerstörerischen Kraftwerksprojekten“.

Univ.-Prof. Dr.Weiss, Steven, Karl Franzens UNI Graz, Inst. f. Zoologie sitzt zwischen zwei Stühlen, wie er selbst sagte. Einerseits Wissenschaftler und andererseits Angler. Als Angler sieht er, wie sich die Gewässer und das Fischereiumfeld zum Nachteil veränderten. Als Wissenschaftler ersucht er, die Emotionen rund um den Fischotter herauszunehmen. Die NGOs sollen sich von polemischen Medienbotschaften distanzieren und in der Öffentlichkeit keinen falschen Eindruck erwecken – nämlich, dass die Fischotterpopulationen gefährdet sind. Er richtet seinen Appell an Angler und NGOs gleichermaßen, denn es gibt viel wichtigere Probleme, an denen gemeinsam zu arbeiten ist. So die massiven Veränderungen des gesamten Ökosystems und der Lebensgemeinschaften und nicht die negative Beeinflussung einzelner Tierarten untereinander. Letztere sind zumeist nur die sichtbaren Symptome von sehr stark erkrankten „Patienten“ namens Gewässer.

Dr. Rudolf Gürtler, langjähriger Gerichtssachverständiger für Jagd und Fischerei fragt sich zunehmend, ob manche Naturschutzorganisationen noch primär Naturschutzziele statt Spendenziele zur Unternehmenssicherung verfolgen. „Unter Verfälschung von Zählergebnissen und Verniedlichung der Schäden durch explodierende fischfressende Arten wird, mit Scheuklappen auf spendenträchtige Arten – etwa den herzigen Fischotter – der Artenschutz und das Artengleichgewicht verraten. Dadurch werden unter der Wasseroberfläche lebende Werte, etwa Flussperlmuschel, Krebse, Fische, Amphibien u.a., mit denen keine Spenden- Cents zu verdienen sind, verantwortungslos geopfert.“

Stimmen aus dem Publikum, wie beispielsweise die, von steirischen Teilnehmern, die erbost über die Aussage von Prof. Dr. Walter Hödl waren, dass sich die Steiermark bei Eingriffen in den Fischotterbestand sehr zurückhalte. Die Politik in der Steiermark habe derzeit keine Bereitschaft, da müssen die anderen NGOs noch gar nicht reagieren, wie in NÖ oder in Kärnten, wo Bescheide und Verordnungen beeinsprucht werden.