Dramatische Situation des Ökosystems Wasser

Resolution an drei Bundesministerien

Bereits 2017 - nach dem 9. ÖKF FishLife FORUM - sind wir mit 44 anderen Umweltschutzorganisationen an zuständigen Ministerien
mit einer Resolution herangetreten, in der wir die umfassende Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie einforderten. 
Der Living Planet Index des WWF gemeinsam mit der Zoological Society of London aus dem Jahr 2018 zeigte noch mehr auf: 
„In the 20th century, freshwater fish had the highest extinction rate worldwide among vertebrates“.  
Nicht nur weltweit, auch in Österreich gehen die Süßwasserfischbestände drastisch zurück.
Über 75% der Biomasse der wasserlebenden Insekten ist ebenfalls verschwunden.
Daher sehen wir uns zu einer neuerlichen Resolution veranlasst.

Im Nachgang an das ÖKF FishLife-Forum 2020 werden wir – aufgrund der derzeit vorherrschenden Corona-Krise – etwas zeitverzögert eine Petition an die drei zuständigen Bundesministerien für Land- und Forstwirtschaft, Klimaschutz und Finanzen übergeben. Wir führen in diesem Papier den Zuständigen den schlechten Zustand unserer Gewässer vor Augen und fordern die Verantwortlichen auf, die EU-Wasserrahmenrichtlinien (WRRL) umfassend umzusetzen und mit den notwendigen finanziellen Mitteln auszustatten.

Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind nicht erreicht

Die Ziele der im Jahr 2000 in Kraft getretenen EU-WRRL sind der Schutz, die Verbesserung als auch die Vermeidung einer Verschlechterung des Zustands aller Gewässersysteme. Von der Umsetzung der Richtlinie sind wir in Österreich jedoch noch weit entfernt. Denn seit 2017 wurden keine finanziellen Mittel aus dem Umweltförderungsgesetz mehr zur Verfügung gestellt. Die Verlängerung der WRRL bis 2021 respektive 2027 ist nur eine Zeitverschiebung ohne Auswirkung. Bereits im Jahr 2019 legte der Rechnungshof klar vor, dass ohne entsprechende Finanzierung diese Ziele nicht erreicht werden können.

Unsere Forderungen

  • Anpassung der Energiepolitik an den Klimawandel
    Kein weiterer Ausbau der Wasserkraft, sondern Umstieg auf andere Energieformen.
    Falsch verstandener Klimaschutz wie „Sauberer Strom“ aus Wasserkraftwerken gefährdet den Lebensraum Wasser.
  • Frei fließende Flüsse zum Hochwasserschutz
    Der gesamte bisherige Hochwasserschutz war kontraproduktiv. Das Wasser wurde nur möglichst schnell stromab geleitet. An den Unterliegern wirkten sich die Hochwasser umso verheerender aus. Bäche und Flüsse müssen wieder in Mäandern und Adern fließen können, an den Ufern müssen wieder breite Streifen Auland geschaffen werden.
  • Grüne Schutzstreifen und Beschattung an den Gewässern,
    Einerseits muss der Eintrag von Schadstoffen aus der Landwirtschaft hintangehalten werden und
    andererseits, die Beschattung intensiviert werden, um die Gewässererwärmung zu reduzieren.
  • Beschränkung des Einsatzes Schädlingsbekämpfungsmitteln
    Der Einsatz von Insektiziden wirkt sich indirekt durch die Nahrung (Insektensterben) aber auch direkt auf die Gesundheit der Fische aus. Es muss daher der Einsatz dieser schädlichen Substanzen auf das Mindestmaß reduziert werden und die Öffentlichkeit auf dieses Thema sensibilisiert werden.
  • Zusätzliche Reinigungsstufen in den Kläranlagen
    Dies ist notwendig, um beispielsweise die Vielzahl von hormonaktiven Substanzen aus Medizin und Haushalt von den Gewässern fernzuhalten.
  • Ausweitung des Artenschutzes zur Erhaltung der Fischartenvielfalt
    All die oben angeführten Schäden haben unsere Fischbestände krass reduziert. Fischfresser dürfen sich nicht weiter zum Schaden der Fischarten und -bestände ungehemmt ausbreiten.

Die Panepidemie durch CROVID19 zeigt, wie verletzlich die Menschheit ist. Die Zerstörung der Umwelt ist auch eine Panepidemie, nur die Menschen haben es noch nicht in der vollen Tragweite begriffen.

An der endgültigen Formulierung der Resolution wird noch gefeilt.
Wir hoffen, dass diese Resolution von vielen Organisationen mitgetragen wird.

Helmut Belanyecz