10. ÖKF FishLife FORUM 2020

KLIMAWANDEL FORDERT FISCH UND FISCHER!
WIE MACHEN WIR UNSERE GEWÄSSER UND FISCHE KLIMAFIT?

Nicht nur in den Weltmeeren schwimmen die Fische um ihr Leben, auch die heimischen Gewässer sind von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen: 
Hitzestress, Krankheiten und Veränderungen in der Fischartengemeinschaft.
Auswirkungen verdeutlicht der WWF Living Planet Indes Österreich (LPI-AT), der aufzeigt,
dass sich die untersuchten Wildtierbestände (Amphibien, Reptilien, Fische, Vögel, Säugetiere) innerhalb von 30 Jahren
um durchschnittlich 70 % verringert haben.
Besonders davon betroffen ist das Ökosystem Binnengewässer. 
Auch falsch verstandener Klimaschutz wie "grüner Strom aus Wasserkraft" gefährden den Lebensraum Wasser.
Naturnahe und vernetzte Gewässer können die negativen Auswirkungen des Klimawandels verringern.

Und jetzt noch der Klimawandel: Auswege aus der Krise
Univ.Prof. DI Dr. Stefan SCHMUTZ,  BOKU Wien, Inst. für Hydrobiologie und Gewässermanagement

So launig der Titel des Vortrages klingt, so ernst war die Fragestellung, ob es einen Weg aus der Krise gibt. Univ. Prof. Dr. S.Schmutz präsentierte sehr plakativ die zahlreichen Bedrohungen durch den Klimawandel, um daraus mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu abzuleiten. Am Laichverhalten der Huchen in der Pielach schilderte er den auch bei den Wasserlebewesen ankommenden Klimawandel. Diese laichen bereits einen ganzen Monat früher als gewohnt. Vor allem die Erwärmung der Gewässer schreitet stetig voran, und in diesem Zusammenhang bekommt die Ufervegetation zur Beschattung eine wichtige Bedeutung. Auch den geplanten Ausbau der Wasserkraft auf annähernd 100 % wird unser Ökosystem so nicht vertragen.

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Fließgewässer im Klimawandel: Alles für die Fisch‘?
DI Dr. Florian BORGWARDT, BOKU Wien, Inst. für Hydrobiologie und Gewässermanagement

Der Klimawandel bedroht unsere Wasserwelt auf mannigfaltige Weise. Die Wassertemperatur ist eine der wichtigsten Lebensraumparameter für Fische. Die Bachforelle ist kälte-liebend und bevorzugt kühlere Gewässerabschnitte. Zukunftsprognosen lassen erwarten, dass sich der Lebensraum der Bachforelle in Zukunft deutlich verkleinern wird. Andererseits begünstigen höhere Temperaturen den Ausbruch von Krankheiten wie der Proliferativen Nierenkrankheit (PKD), von der die forellenartigen Fische besonders betroffen sind. Im Projekt ClimateTrout, das durch den Klima- und Energiefonds finanziert wird, wurde ein erster Ansatz entwickelt, um österreichweit das Risiko für einen möglichen PKD Ausbruch in Fließgewässern unter derzeitigen und zukünftigen Bedingungen zu evaluieren.

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Seen – Wandel des Fischbestandes in alpinen See
Mag. Dr. Hubert GASSNER, Bundesamt für Wasserwirtschaft, Inst. f. Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft

Das Ergebnis einer Untersuchung der Fischbestände aller natürlicher Seen war, dass in mehr als der Hälfte dieser Seen Fischarten fehlen und in fast allen Fischarten dazu kamen. Es ist somit zu einer starken Veränderung der Fischartengemeinschaften während der vergangenen 150 Jahre gekommen und wird noch weiter gehen. Analysen des Bundesamtes zeigten, dass sich die mittlere Oberflächentemperatur unserer Seen innerhalb der letzten vier Jahrzehnte um etwa 2 °C erhöht hat. Auch die Sommerstagnation dauert um ungefähr einen Monat länger an. Dies wirkt sich massiv auf den limnologischen Zustand unserer Seen und in weiterer Folge auf die Lebensbedingungen der Fische aus. Probleme haben die Fische vor allem mit der Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser, wodurch im Laufe des Jahres der Fischlebensraum immer kleiner wird. Eingeschleppte Fischarten werden sich etablieren und vermehren. Bestandsänderungen von Salmoniden zu Cypriniden erfolgen. Mit diesen ersten Erkenntnissen zu Klimawandel und Fischbeständen österreichischer Seen wird die künftige wissenschaftliche Herausforderung sein, herauszuarbeiten, welche Effekte des Klimawandels sich direkt auf die Fischbestände auswirken und welche Effekte anderen Ursachen (Besatz, Befischung, Lebensraumverlust etc…) zuzuordnen sind.

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Auswirkung des Klimawandels auf unsere Fische und deren Gesundheit
Dr. med.vet. Heinz HEISTINGER, Fachtierarzt für Fische, Österreichischer Tiergesundheitsdienst-AG FGD, Wissenschaftlicher Beirat ÖKF FishLife

Wassermangel, Temperaturerhöhung, wenig Durchlauf und Trockenphasen führen zu höheren Fischdichten und somit Krankheitsbildnern, die ansonsten nur in Aquakulturen vorkommen. Beinahe alle aquatischen Organismen sind wechselwarm und haben eine genetisch festgelegte Temperaturspanne innerhalb der Leben und Vermehrung und ein Überleben möglich ist. Deshalb sind die auftretenden Maximal- und Minimaltemperaturen und deren Dauer sowie örtlich und zeitliche natürliche Schwankungen im Gewässer essenziell. Aber auch zur Ausbreitung von Parasiten und Krankheiten kann ein Klimabezug hergestellt werden. Ebenso gilt für Fließgewässer, dass gerade im erwärmten Wasser eine Vielzahl potenziell pathogener Keime vorkommt, die zu Erkrankungen und Tod führen können.

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Aliens – Änderungen in der Fischartenvielfalt
DI Thomas FRIEDRICH, BOKU Wien, Inst. für Hydrobiologie und Gewässermanagement

Aliens werden entweder absichtlich (Aquakultur, Biomanipulation, Zierfische, Angelfischerei) oder unabsichtlich als blinde Passagiere importiert. Die Auswirkungen können verheerend sein und vor allem, Langzeitauswirkungen kann man nicht vorhersehen und sind oftmals nicht reversibel. So kann es zu massiven Veränderungen der Ökosysteme kommen, auch weil die Eindringlinge um Lebensraum und Nahrung konkurrieren. Des Weiteren kommt es zu Abänderungen im trophischen System, zur Hybridisierung und zur Prädation. Nicht zu vergessen, können Aliens Krankheiten und Parasitensein übertragen. Als taugliche Reaktion darauf empfiehlt DI Friedrich eine Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft sowie die Änderung der Mentalität und der Ansprüche von Teilen der Angelfischerei. Gleichzeitig muss die Förderung von heimischen Arten durch Verbesserung des Lebensraumes, Ausbildung von Gewässerbewirtschaftern, Handelsbeschränkungen und Kontrolle erfolgen.

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Gewässerpflegekonzepte – ein neues Planungsinstrument – Was dürfen wir erwarten?
DI Josef MADER, Amt der OÖ LRG, Gewässerbezirk Grieskirchen, ÖWAV Ausschuss Gewässerbetreuung

Wie wir die Erwärmung der Gewässer bremsen könnten, das berichtete uns DI Josef Mader vom Amt der OÖ-Landesregierung, Gewässerbezirk Grieskirchen. Zu Beginn stand eine Studie, die einen Anstieg der Temperatur in OÖ Fließgewässer um +2.84 Grad Celsius bis 2050 prognostiziert. Um dem entgegenzusteuern stellte er Gewässerpflegekonzepte als ein neues Planungsinstrument vor. Darunter versteht man, jene Instandhaltungs-, Pflege und Betriebsmaßnahmen auszuwählen und festzulegen, mit denen die Wirksamkeit und Sicherstellung des Hochwasserschutzes, bei gleichzeitiger Erhaltung oder Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer erreicht werden kann. Mögliche Maßnahmen: Keine gänzliche Entfernung der Gehölze, so ist die Beschattung von Gewässer und Uferböschung weiterhin gegeben und verhindert eine zu starke Erwärmung. Auch das Aufkommen unerwünschter Arten (Invasive Neophyten, Wasserpflanzen, Algen) und zu starken Austrieb ist zu reduzieren. In Abschnitten, wo es keinen besonderen Schutzbedarf (Infrastrukturelemente) gibt, sollte Alt- und Totholz zumindest bereichsweise belassen werden. Verdeutlicht hat er dies anhand der Revitalisierung der Trattnach bei Grieskirchen und Schlüßlberg.

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Fischteiche – Änderungen der Wasserqualität in den letzten 40 Jahren
Dr. Christian BAUER, Bundesamt für Wasserwirtschaft, Ökologische Station Waldviertel

Dr. Christian Bauer strich in seinem Referat vor allem hervor, dass Fische mit ihrem Medium, dem Wasser, viel enger verbunden sind, als die meisten anderen Tiere. Viele Probleme resultieren daher aus Veränderungen der Wasserqualität. Diese wird, wie bereits erwähnt, vorrangig durch die Wassertemperatur negativ beeinflusst. Als mögliche Strategien nannte er die Anpassung der Bewirtschaftung der Fischarten, den Besatz, die Überwachung und Fütterung. Aber auch Wassermanagement in der Landschaft, beispielsweise in Kooperation mit der Landwirtschaft. Als zusätzlicher Puffer sollte in den Teichbau investiert werden, um den Niederschlag in der Gegend zu belassen.

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Klimaschutz, Biodiversitätskrise und Wasserkraftausbau
Gerhard NAGL, DEF Danube Environmental Forum

Wir müssen die Klimakrise ernst nehmen. Das ist aber kein Grund, für einen vermeintlichen Klimaschutz, Gewässer-Ökosysteme zu opfern. Nicht beim Klima haben wir die Grenzen der Belastbarkeit der Erde am deutlichsten überschritten, sondern bei der Biodiversität, wie die letzte Studie „Planetery Bouderies“ zeigt. Die Gefährdung von Arten der Binnengewässer ist doppelt so groß wie die der Land-Ökosysteme. Europaweit, auch im Donau-Einzugsgebiet, das weltweit zu den am stärksten verbauten gehört, sollen viele Tausende Wasserkraftwerke gebaut werden. Laut Regierungsprogramm sollen in Österreich, als Klimaschutzmaßnahme, die Wasserkraft bis zu 5 TW ausgebaut werden. Das würde die Biodiversitätskrise zuspitzen. Eine Kurswende zum Schutz der Gewässer ist notwendig. Die Biodiversität sollte bei der weiteren Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie ein wichtiges Element der Gewässerbewirtschaftung sein, Fluss-Korridore – Gewässervernetzungen – sind bedeutungsvolle Komponenten einer Strategie für Biodiversität und Biotopverbund.